|
Wracktauchen in Istrien
Auch dieses Mal zeigte sich der Fluch der guten Tat in Form eines Anrufes: "Du, Olaf, du hast doch letztes Jahr ….Kannst Du nicht dieses Jahr …." Und das so überraschend, dass mir glatt keine Ausrede eingefallen ist.
Nun denn Thema Wracks in Istrien. Da könnte man viel schreiben. Eine Übersicht zu den vielen Schiffen, die dort unten liegen, erfreulicherweise auch alle so auf maximal 40m. Oder einen Bericht über eines dieser Schiffe und sein Schicksal. Oder eben einfach ein paar Erlebnisse beim Tauchen in der Gegend von Rovinj. Und zu letzterem habe ich mich jetzt entschlossen.
Es war einmal …. im Herbst 2002 in Rovinj. Wir waren mit einer Gruppe unterwegs. Am ersten Tag gab es eine Doppelausfahrt zur Numidia und Romagna. Beide knapp 40m tief, die Numidia, ein grosses Frachtschiff, das vermutlich Zement und Wachs transportierte. Es gibt sehr schöner Bewuchs, viele Lebewesen, leider auch die mit den Pressluftflaschen auf dem Rücken. Dementsprechend dann auch die Sicht im Maschinenraum.
An der Romagna waren wir im Sommer bereits einmal, dieses Mal war die Sicht mit dem typischen Edgar-Wallace-Londoner-Nebel vergleichbar. Das war ausgesprochen blöd, da ich im Sommer einen riesigen Conger gesehen hatte und sehen wollte, ob er noch da war. Um keinen Freiwasseraufstieg zu riskieren, natürlich war Strömung und der "Sicherheitsstopp" war auch länger als 3 min, mussten wir unsere Abenteuerlust zügeln. Noch ein Satz zum Wrack: Ebenfalls ein Frachter, kleiner als die Numidia, stärker zerfallen, sehr viele Fischernetze (Vorsicht!), schöner Bewuchs.
Am nächsten Tag gab es wieder eine Doppelausfahrt, 2 Tauchgänge an der Coriolanus. Die Geschichte dieses Schiffes klingt schon interessanter. Hier nur eine Kurzfassung, mehr könnt Ihr auf meiner Homepage www.aKlabautermann.de nachlesen. Ebenso gibt des dort weitere Infos, Tauchplatzbeschreibungen usw.
Die Coriolanus ist oder besser war als ein Kriegsschiff in der britischen Marine geführt. Sie gehörte zur sogenannte "Shakespeare-Klasse" und hatte vielseitige Aufgaben-gebiete, die vom Minenleger über die U-Boot Jagd bis zu Aufklärungsfahrten reichten. Die Coriolanus wurde Anfang 1940 gebaut. Bewaffnet war sie mit 3 MGs, wenig genug für die Selbstverteidigung und für den Angriff gänzlich ungeeignet. Zu diesem Zweck dienten wohl die Wasserbomben, von denen sich noch einige in den Laderäumen finden. Die Coriolanus wurde immer weiter verbessert und ausgerüstet. So hatte das Schiff ein Minenräumgeschirr und eine erweiterte Funkausstattung an Bord. Außerdem eine zweite "Brücke" im Heck des Schiffes, was für Spekulationen sorgte, ob es sich um ein Spionageschiff handelte. Jedenfalls befand sich die Coriolanus am 5. Mai 1945 auf einer Kontroll- und Überwachungsfahrt, als gegen 14:00 Uhr gewaltige Explosion die Luft zerriss. Das Schiff war auf eine Mine gelaufen und sank innerhalb weniger Minuten ca. 6 Meilen vor Novigrad. Das Wrack ist ca. 55m lang und ca. 8m breit. Sie liegt aufrecht auf flachem Sandgrund in 30m Tiefe. Die Bojenleine ist am Vorschiff befestigt, ganz in der Nähe der beiden vorderen Maschinengewehrstände.
Auf dem Deck sind im vorderen Steuerbord-Bereich starke Zerstörungen zu erkennen, die auf die Minenexplosion zurückzuführen sind. Ein Großteil der Aufbauten mittschiffs wurde weggerissen. Wenn man hier die Bordwand herabtaucht, sieht man das beeindruckende Loch, das die Mine gerissen hat. Dort haust ebenfalls ein grosser Conger, inzwischen habe ich ihn auch gesehen. Von hier aus bietet es sich an, zum Heck tauchen. Dort ist die riesige Schraube sehenswert. Am Heck geht es empor. Dort gibt es den dritten MG-Stand, der wie auch die vorderen für sein Alter recht gut erhalten ist.
Vom Heck führt sowohl backbord als auch steuerbord ein schmaler Gang wieder nach vorn. Nach innen ergeben sich immer wieder Einblicke, die Gänge nach innen sind aber recht eng. Nach draussen hat man trotz der über dem Wrack hängenden Fischernetze, die streckenweise dicht bewachsen sind, einen sehr schönen Ausblick.
Das alles war mir bekannt, ich hatte ja dort schon einige Tauchgänge absolviert. Da ich meine geliebte Doppel10 dabei hatte, wollte ich natürlich schnell ins Wasser. Deshalb bat ich einen anderen Taucher, mir Platz zu machen. Er nickte und warf die Ausrüstung, an der er gerade schraubte, ins Wasser. An sich kein Problem, nur war das Jacket bleiintegriert und es gab ein Missverhältnis zwischen Blei- und Luftmenge. Im nächsten Moment war das Ding weg. Da sich die Truppe selber kümmern wollte, tauchte ich ab und hatte einen ausgiebig Zeit, mir mal die Innereinen der Coriolanus vorzunehmen. Nur in einem Raum im ganz unten im Bug war keine Sicht, deshalb verschob ich die Erkundung auf den 2. Tauchgang. Nach einer guten Stunde wieder an Bord, war die fehlende Ausrüstung immer noch nicht gefunden, obwohl nacheinander der Kapitän des Bootes und der Basisleiter gesucht hatten. Grad waren die ersten Taucher der Gruppe, zu der die Ausrüstung gehörte, im Wasser. Sie hatten sich inzwischen einen Sport draus gemacht, Suchen und Bergen zu trainieren.
Nach der Mittagspause bot ich dann an mitzusuchen, aber die Gruppe wollte das selbst klären und so ging es abwärts zum 2. Tauchgang. Wie geplant suchte ich als erstes den Raum im Vorschiff auf, den ich zuerst wegen schlechter Sicht ausgelassen hatte. Also durch die Tür hinein, über ein Geländer hinweg und abwärts. Unten angekommen, leuchtete ich eine Runde durch den Raum und plötzlich lacht mich doch auf einer Ablage ein gelbes HUB an. Wie das da nur hinkam … Jedenfalls nicht durch eine Strömung ! Da noch Zeit war, liess ich das Jacket erstmal liegen, überlegt, was zu tun wäre und tauchte nach einer knappen Stunde wieder auf. Nachdem ich mich umgezogen hatte, erwischte ich Basisleiter und Kapitän und fragte sie, was das nun solle, ich wüsste, wo die Ausrüstung liegt. Verständnislosigkeit beim Basisleiter, eine hitzige Diskussion mit dem Kapitän und Stojan zog sich seinen Anzug an. Ich beschrieb ihm noch kurz, wo er suchen sollte. Aber nach 10 min tauchte er ohne die Ausrüstung auf und fragte mich, ob ich nicht noch mal mit ihm runterwollte. Luft hatte ich noch genug, so waren wir kurz danach nochmals im Wrack. Die Ausrüstung lag noch da, wo ich sie gesehen hatte und wir tauchten unter grossem Hallo nach einer Viertelstunde wieder auf. Damit ging ein abwechslungsreicher Tag zu Ende. Wenig erfreulich für den Kapitän, der auch schon früher mehrmals negativ aufgefallen war.
Er hat die Ausrüstung nicht bekommen, wobei es mir ein Rätsel ist, wie er die holen wollte, Anfahrtszeit mit seinem Schiff waren ca. 3 Stunden. Und ausserdem, wahrscheinlich schlimmer, war das der letzte Auftrag von dieser Tauchbasis. Für mich sah es da besser aus. Ich hatte mir eine Brotzeit mit dem Tauchclub aus Ingolstadt verdient, der Tauchtag war komplett kostenfrei und auf der Basis hatte ich meinen Ruf vertieft.
Zwei Tauchtage standen noch aus. Diese nutzten wir, um pro Tag einmal an der Baron Gautsch, dem meiner Meinung nach schönsten Wrack in der Gegend, zu tauchen.
Auch hier ein paar Worte zum Schiff: 84,5m lang, knapp 12m breit und eine Wasserverdrängung von ca. 2.100 BRT. Gebaut 1908 für den Österreichischen Lloyd. Am 13. August 1914 gegen 11:00 Uhr lief das Schiff aus dem Hafen von Lussin Grande (Veli Losinj) mit Ziel Triest aus. 7 Seemeilen nördlich der Brionischen Inseln lief der Dampfer um ca. 14:50 Uhr trotz vorheriger Informationen mit voller Fahrt ein eigenes, gerade erst gelegte Minenfeld. Das Unglück forderte immensen Blutzoll: Mindestens 177 Menschen, darunter viele Frauen und Kinder, ertranken oder kamen im ausgelaufenen, brennenden Schweröl um. 159 Personen konnten von zu Hilfe eilenden österreichisch-ungarischen Zerstörern gerettet werden.
Die Bojenleine ist backbords an den vorderen Aufbauten befestigt. Ab ca. 10-15 Metern Tiefe kann man die Umrisse des versunkenen Schiffes erkennen. Bei 28m kommt man an den Aufbauten an, den Grund findet man auf 40m. Da bereits die Aufbauten sehr interessant sind, ist das Wrack durchaus auch für weniger erfahrene Taucher geeignet. Und in den Innenräumen bieten sich, entsprechende Ausbildung und Erfahrung vorausgesetzt, viele Möglichkeiten, einen Tauchgang rumzubringen. Inzwischen kann ich wohl behaupten überall, ausser in den letzten Ecken der Maschinenräume gewesen zu sein. Aber etwas soll ja noch für die nächsten Tauchgänge übrigbleiben, wahrscheinlich Pfingsten diesen Jahres. Inzwischen war ich aber auch schon 7x an der Gautsch und die letzten Tauchgänge waren nichts für jedermann. Mehr schreibe ich nicht dazu, sicher liest auch Siggy den Bericht …
Trotz der Aktion mit der verschwundenen Tauchausrüstung kann ich die Tauchbasis Scuba Rovinj Valdaliso für selbstständige Taucher nur empfehlen. Man geht dort auf die Wünsche der Kunden zu Tauchzielen ein, mietet je nach Bedarf Schiffe an und am Tauchplatz ist die Deko-Flasche selbstverständlich.
Für weitere Informationen stehe ich natürlich gern zur Verfügung, dies gilt natürlich auch für Ausbildung. Stichwort Nitrox, an diesen Tauchplätzen das Atemgas der Wahl!
Olaf Hädicke
Sonstige Berichte
|